Gezeiten und Strömungen auf den Lofoten

Gezeiten verstehen – als Seekajakfahrer

Beim Seekajakfahren auf den Lofoten geht es nicht nur um Wind, Wellen und wunderschöne Ausblicke. Eines der wichtigsten Dinge, die man vor dem Aufbruch beachten muss, ist die Gezeitenlage.

Auf den ersten Blick mögen die Gezeiten etwas abstrakt wirken. Das Meer steigt und fällt, das Wasser bewegt sich, und manchmal steckt in einer scheinbar ruhigen Brandung plötzlich eine enorme Kraft. Doch sobald man anfängt, darauf zu achten, werden die Gezeiten zu einem der nützlichsten Hilfsmittel, um einen gelungenen Tag auf dem Wasser zu planen.

In vielen Gebieten rund um die Lofoten fließt die Gezeitenströmung häufig durch die Meerengen zwischen den Inseln, beispielsweise an Orten wie Raftsundet oder Gimsøystraumen. Diese Durchfahrten können vom Ufer aus ruhig wirken, doch die Strömung kann dennoch erhebliche Auswirkungen auf Ihre Route, Ihre Geschwindigkeit und Ihre Sicherheit haben.

Warum Strömungen beim Kajakfahren eine Rolle spielen

Als Gruppe von Seekajakfahrern sind wir normalerweise mit einer Geschwindigkeit von etwa 2–3 Knoten unterwegs. Das bedeutet, dass schon eine Strömung von 1 Knoten einen großen Unterschied ausmachen kann.

Mit der Strömung im Rücken kann sich eine Strecke leicht und schnell anfühlen. Gegen die Strömung kann dieselbe Strecke langsam, anstrengend und frustrierend werden. In Gebieten mit stärkerer Strömung kann die Strömung einen auch von der geplanten Route abbringen, Überquerungen erschweren oder zu unruhigem Wasser führen, wenn Wind und Strömung gegeneinander wirken.

Deshalb ist die Berücksichtigung der Gezeiten auf den Lofoten nicht nur ein „nettes Extra“, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Routenplanung.

Orte, an denen man besonders vorsichtig sein sollte

Die Gezeitenströmung kann insbesondere zunehmen:

  • zwischen kleinen Inseln

  • in schmalen Meeresengen

  • unter Brücken

  • um Landzungen herum

  • über flache Unterwasserformationen

  • um Brückenpfeiler und Masten herum

Brückenbereiche verdienen besondere Aufmerksamkeit. Im Bereich von Brückenpfeilern kann das Wasser turbulent werden und Strudel, Wirbel und Strömungslinien bilden. Diese können Ihr Kajak aus dem Gleichgewicht bringen, den Bug ins Drehen versetzen, Sie in Richtung der Brücke treiben oder eine Rettung erheblich erschweren.

Wo finde ich Informationen zu Gezeiten und Strömungen für die Lofoten?

Für das Seekajakfahren auf den Lofoten empfehle ich wärmstens die folgenden Quellen:

Meeresspiegel / Kartverket

„Se havnivå“ ist die erste Anlaufstelle, um Gezeitenzeiten und Wasserstandsprognosen entlang der norwegischen Küste abzurufen. Hier erfahren Sie, wann die Flut steigt, sinkt, Hochwasser oder Niedrigwasser herrscht.

Dies ist hilfreich für die Planung von Anlegestellen, seichten Passagen und den allgemeinen Zeitplan Ihrer Reise. Aber denken Sie daran: Die stärkste Strömung in einer Meerenge tritt nicht genau bei Ebbe oder Flut auf. Die örtlichen geografischen Gegebenheiten können zu Verzögerungen führen.

Der norwegische Lotsen

„Den norske los“ ist eine der besten Informationsquellen, um die lokalen Gezeitenströmungen in Norwegen zu verstehen. Mehrere Kapitel stehen als PDF zum Download bereit. Sie sind auf Norwegisch verfasst, doch selbst wenn man den Text übersetzt, sind für Kajakfahrer oft die Grafiken am nützlichsten. Sie veranschaulichen, wie sich die Gezeitenströmung in bestimmten Meeresarmen und engen Durchfahrten verhält.

Ein gutes Beispiel dafür ist die aktuelle Karte von Raftsundet.

Mit dem Seekajak durch Raftsund paddeln

Raftsund ist eine der schönsten Kajakrouten auf den Lofoten, aber es handelt sich auch um einen schmalen, stark von den Gezeiten geprägten Sund, bei dem eine gute Planung unerlässlich ist.

Die Grafik basiert auf dem Hochwasser in Bodø – nicht auf Ihrem genauen lokalen Hochwasser. Bitte beachten Sie dies, wenn Sie die Grafik für Ihre Reiseplanung nutzen. Die horizontale Achse zeigt die Stunden vor und nach dem Hochwasser in Bodø an. Die vertikale Achse zeigt die Strömungsgeschwindigkeit in Knoten an. Eine Strömung oberhalb der Mittellinie verläuft in Richtung Norden, eine Strömung unterhalb der Mittellinie verläuft in Richtung Süden.

Im Beispiel von Raftsund zeigt die rote Linie die Strömung bei Raftsund Lykt, der sehr engen Stelle des Raftsundets in der Nähe des Leuchtturms. Dort ist die Strömung am stärksten. Die Grafik zeigt, dass die Strömung etwa 2,5 Stunden vor Hochwasser in Bodø in Richtung Norden zu fließen beginnt. Um die Zeit des Hochwassers herum und kurz danach kann sie bei Springfluten fast 4 Knoten erreichen.

3,5 Stunden nach Hochwasser kehrt die Strömung um und fließt nun in Richtung Süden. Das bedeutet, dass die südwärts gerichtete Strömung etwa 2 Stunden vor Niedrigwasser einsetzt und bis etwa 3,5 Stunden nach Niedrigwasser anhält.

Wenn ich im Norden von Raftsund starte und mit der Strömung nach Süden paddeln möchte, versuche ich in der Regel, etwa drei Stunden vor Niedrigwasser von Hanøy aus loszupaddeln. So habe ich genügend Zeit, um in Fahrt zu kommen, und gelange meist in den Hauptteil des Sunds, wenn die Strömung nach Süden fließt. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch immer noch vom Startpunkt, der Geschwindigkeit der Gruppe, dem Wind und den Bedingungen am jeweiligen Tag ab.

Eine Gruppe von Seekajakfahrern bewegt sich in der Regel mit einer Geschwindigkeit von etwa 2–3 Knoten, daher ist eine Gezeitenströmung von 3–4 Knoten nichts, gegen das man einfach so anpaddeln kann.

Der genaue Zeitpunkt und die Stärke können je nach örtlichen Gegebenheiten, Wind, Luftdruck sowie Nipp- oder Springfluten variieren.

Weitere nützliche Quellen für Gezeiteninformationen

BarentsWatch

BarentsWatch ist sehr hilfreich, da es Vorhersagen anschaulich auf einer Karte darstellt. Für einige Gebiete, darunter Raftsundet und Gimsøysundet, findest du dort auch aktuelle Vorhersagen mit Angaben zu Geschwindigkeit und Richtung der Strömung.

Damit ist es eines der praktischsten Hilfsmittel, um vor einer Kajaktour auf den Lofoten die Gezeitenströmungen zu überprüfen.

Seekarten

Eine Seekarte ist nach wie vor eines der wichtigsten Hilfsmittel.

Buchempfehlungen

Sea Kayak Navigation — Franco Ferrero

Wenn du Seekajak-Navigation richtig verstehen möchtest, empfehle ich dir Sea Kayak Navigation von Franco Ferrero, erschienen bei Pesda Press.

Ein kompaktes und praktisches Buch, das speziell für uns Seekajakfahrer geschrieben wurde. Darin findest du alles Wichtige zu Seekarten, Gezeiten, Strömungen, Routenplanung und Entscheidungsfindung. Alles wird sehr praxisnah erklärt, damit du bestens für deine Touren auf dem Meer vorbereitet bist.

The Lofoten Islands: A Sea Kayak Guide to the Magical Isles – Jann Engstad

Speziell für die Lofoten empfehle ich das Buch „The Lofoten Islands: A Sea Kayak Guide the Magical Isles“ von Jann Engstad, an dem Olly Sanders als Redakteur mitgewirkt hat.

Das ist eine der besten Informationsquellen für eine Seekajakreise auf den Lofoten. Du findest darin Routenvorschläge, Karten, lokale Informationen und nützliche Tipps, um Tagestouren oder auch längere mehrtägige Kajaktouren zu planen.

Lerne es, bevor du selbstständig paddelst

Wenn du selbstständig in Gezeitengewässern paddeln möchtest, lohnt es sich, einen fundierten Navigationskurs zu belegen.

Paddle UK / British Canoeing Awarding Body bietet Module zur Seekajak-Navigation, Gezeitenkunde und Tourenplanung an, die auch online absolviert werden können. Das ist super, wenn du Seekarten, Gezeiten, Wetter undRoutenplanung besser verstehen möchtest, bevor du dich auf anspruchsvollere Touren begibst.

Ich kann Derek Hairon aus Jersey für Navigationskurse wärmstens empfehlen.

Eine weitere gute Möglichkeit ist es, einen lokalen Segel- oder Bootsführerscheinkurs in deiner Nähe zu besuchen. Auch wenn er nicht speziell aufs Paddeln zugeschnitten ist, vermittelt er nützliche Grundlagen: Seekarten, Bojen, Regeln, Wetter, Gezeitentabellen und Navigation.

Apps und Vorhersagen sind hilfreich, aber sie sollten grundlegende nautische Kenntnisse nicht ersetzen. Je besser du die Quellen hinter deinen Entscheidungen verstehst, desto besser und sicherer wird deine Routenplanung.

Abschließende Gedanken

Die Gezeiten auf den Lofoten sind nichts, wovor man Angst haben muss, aber man sollte Respekt vor ihnen haben.

Je besser du die Gezeiten, Strömungsvorhersagen, Seekarten und die lokale Geografie verstehst, desto fundierter werden deine Entscheidungen auf dem Wasser. Und an einem Ort wie den Lofoten, wo Inseln, Sunde und Brücken die Bewegung des Meeres prägen, ist dieses Wissen unerlässlich.

Auf meinen geführten mehrtägigen Seekajakreisen ist diese Art der Planung fester Bestandteil jeder Tour. Wir schauen uns Wetter, Wind, Gezeiten, Strömungen und das Niveau der Gruppe genau an, bevor wir entscheiden, wohin wir paddeln. So wird die Tour nicht nur zu einem schönen Erlebnis, sondern wir planen sie mit dem Meer, nicht dagegen.

Wenn du das Seekajakfahren auf den Lofoten mit fundierter Routenplanung, meiner lokalen Ortskenntnis und genügend Zeit, um wirklich in die Landschaft einzutauchen, erleben möchtest, dann komm doch mit auf eine meiner geführten mehrtägigen Kajaktouren hier oben.